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  • Turbobier und Alkbottle live zum Jahresabschluß

    Auf Konzertreise in der vorweihnachtlichen Steiermark

    So oft ich in Österreich verweile, so selten mache ich dies für gewöhnlich in der kalten Jahreszeit. Zugegeben: Eine etwas schnapsige Idee war es schon, als ich im luxemburgischen Hochsommer erfuhr, daß Alkbottle, eine alteingesessene Punkrock-Band aus Wien, Weihnachtskonzerte ankündigten, eines in Wien und eines am vergangenen Samstag in Graz. Da ich die Jungs schon länger höre, sie schon immer auch mal live sehen wollte und zudem Graz immer eine Reise wert ist, kaufte ich kurzerhand ein Ticket für »Biernachten« in Graz am vergangenen Samstag. Zwischenzeitlich gaben auch Turbobier, ebenfalls aus Wien und eigentlich noch mehr und länger von mir verehrt, die Termine ihrer 10-Jahres-Jubiläumstour in Österreich bekannt.

    Diese wurde als Clubtour gestaltet und führte die Jungs in kleinere Locations, darunter auch am vergangenen Freitag ins Sublime in Aflenz in der Steiermark. Ein kurzer Check ergab, daß sich das Örtchen rund eineinhalb Autostunden nördlich von Graz befand. Ein rot-weiß-rotes Punkrock-Wochenende war geboren und zu allem Überfluß, manchmal ist das Schicksal mir wirklich hold, trug auch noch der Grazer AK an jenem Samstagnachmittag sein letztes Heimspiel vor dem Jahreswechsel im Stadion Liebenau aus. Jackpot!

    Am vergangenen Freitagmorgen um 3 Uhr klingelte der Wecker und es ging los. Erstaunlicherweise vergingen die rund 10 Stunden Autofahrt von Luxemburg nach Aflenz wie im Fluge und ich war sogar noch vor der Check-In-Zeit angekommen. Schnell noch eine Palette Hülsen vom »bierigen Bier« aus Graz-Puntigam gekauft und das Zimmer bezogen, war ich trotz der langen Anfahrt zu aufgeregt, um mich noch mal ein Stündchen aufs Ohr zu legen.

    Willkommen in Aflenz
    Das Sublime in Aflenz

    Das Sublime in Aflenz ist ein kleiner Musikclub, der genau das Gegenteil des winterlich verschlafenen Kurortes war: Der Laden brannte förmlich, nicht zuletzt durch die absurd-unterhaltsame Performance der Vorgruppe Horny Monkeys, die sich selbst als eine Gruppe »verrückter Freunde« bezeichnen, die Musik »irgendwo zwischen Kuschelrock und Dubstep« machen.

    Horny Monkeys

    Turbobier haben immer wieder ein Händchen für ihre Vorgruppen. Im Dezember 2024 in Karlsruhe durfte ich deshalb Heckspoiler zum ersten Mal live erleben. Instant Fan!

    Turbobier starteten dann den Abend in Aflenz mit »Feuerwehrfestl«, einem meiner absoluten Favoriten, genau wie die nachfolgenden »Floschenpfand« und »I hoss olle Leit«. Den Abschluß machte der legendäre »Fuaßboiplotz«. Im Prinzip bestand der größte Teil der Jubiläums-Setlist aus Lieblingssongs.

    Club-Ambiente im Sublime

    An diesem Freitagabend war der Laden nicht komplett ausverkauft aber die Stimmung war grandios. Nur die aufblasbare Badeinsel wollte nicht so richtig mit den Leuten in Symbiose treten. Die Polonäse funktionierte dafür umso besser.

    Das mit der Badeinsel klappte nicht so recht

    Turbobier habe ich zur Zeit ihrer Albumveröffentlichung von »King Of Simmering« durch Zufall entdeckt. Insbesondere der Song »Tanke« war unter uns Fußballfans eine echte Hymne, da wir uns zu dieser Zeit regelmäßig vor Spielen an der Tankstelle trafen. So entstand für mich eine Punkrock-Musikliebe zwischen Luxemburg und Wien. Ohnehin bin ich musikalisch ziemlich austrophil. Schon in sehr jungen Jahren waren Falco, die Erste Allgemeine Verunsicherung oder S.T.S. Bands, die ich gerne und regelmäßig hörte. Diese Verbundenheit entstand vermutlich durch die zahlreichen Familienurlaube im Alpenland und noch heute bin ich jedes Jahr zwei bis dreimal in Österreich und liebe es.

    Marco Pogo

    Turbobier sah ich an diesem Abend zum dritten Mal live, nach Salzburg und Karlsruhe 2024. Das Ticket für Köln 2026 ist bereits gekauft, Innsbruck 2026 zusammen mit dem neuen Album vorbestellt und wer weiß, was im kommenden Jahr spontan außerdem noch geht. Am Samstagmorgen konnte ich mit Marco Pogo kurz im Hotel sprechen. Toller Moment, ich schätze ihn wirklich sehr, auch was seine mittlerweile vergangene »Bierpartei« und seine sonstigen Aktivitäten angeht. Interessant ist, daß die Auftritte von Turbobier sich immer weiter nach Westen schieben. Sogar die Niederlande sind kommendes Jahr im Programm. Vielleicht irgendwann auch mal Luxemburg?

    Das wars mal wieder, und es war wieder legendär

    Viel zu schnell ging der Freitagabend vorbei und machte wirklich Bock auf mehr. Doch am Samstag stand ja das eigentlich so genannte Highlight der Reise an mit »Biernachten« in Graz. Also ging es am Morgen nach dem Plausch im Hotel weiter in Richtung Graz. Dort war ich bereits 2022 und 2024 jeweils im Sommer und ich mag die Stadt sehr: Jugendlich-progressiv und abwechslungsreich. Hier war am Nachmittag zunächst das Spiel des Grazer AK im Stadion Liebenau, das man sich mit dem SK Sturm Graz teilt, auf dem Programm. Ich hatte das Glück, mal wieder eine große Choreographie zu erleben und das Spiel war insgesamt ansehnlich.

    Der Fanblock des GAK in Aktion. Leider gab es gegen den Linzer ASK eine 1:2 Niederlage

    Im Anschluß daran ging es mit der »Bim« (Straßenbahn) zurück ins Zentrum und von dort zu Fuß zum Kulturzentrum Explosiv. Ein alternativer kleiner Punkschuppen mit alten Ledersofas und einer guten Playlist auf den Lautsprechern.

    Nebenan im Saal hatten Alkbottle bereits begonnen und der Laden war wirklich komplett überfüllt.

    Ausverkauftes Haus bei »BIernachten« in Graz

    Auf meine Kosten kam ich absolut: Ein Alkbottle-Pulli ging mit heim, den ich mir nicht außerhalb von Österreich hätte zuschicken lassen können und alle Lieblingssongs waren dabei: »Geh Scheissn«, das freundlichste österreichische Kompliment überhaupt, »Blader, Fetter, Lauter«, »Sechs Bier«, die Hausmeisterin oder auch »Rockstar in Austria«.

    Der Abend klang für mich auf einem der erwähnten Sofas aus, bevor ich mich zurück ins Hotel aufmachte. Das wars also dann. Ein halbes Jahr Planung und der aktive Teil der Reise war abgehakt. Was folgte, war am Sonntag ein ausgedehnter Spaziergang durch das Zentrum von Graz, welches, wie bereits am Samstag sehr gut gefüllt war. Die an mehreren Stellen in der Stadt aufgebauten Weihnachtsminimärkte zogen die Massen an und entzerrten sie gleichzeitig.

    Murinsel
    Schloßbergbahn
    Der Grazer Uhrturm auf dem Schloßberg – Ein Wahrzeichen der Stadt
    Der Grazer Hauptplatz mit Rathaus

    Ich gönnte mir ein Weizenbier auf dem nebelumhüllten Schloßberg und stattete im Anschluß dem schönen Gösser Brauhaus sowie dem Café Centraal einen Besuch ab. Letzteres kann ich als Kneipentipp sehr empfehlen: Ruhiges, alternatives Ambiente mit lecker Bieren.

    Weihnachtliche Bim
    »Punti« trinken im Café Centraal
    Und Gösser im gleichnamigen Brauhaus zum Ćevapčići (nicht im Bild)

    Die Rückfahrt am Montag bot Zeit, das erlebte Revue passieren zu lassen und Vorfreude auf Turbobier in Köln im kommenden Mai im Rahmen ihrer »Das Leben is ein Oaschloch«-Tour. Vorher allerdings steht wieder jede Menge Metal auf dem Programm.

    (Text und Fotos: chrkuehne)

  • Mit »The Troops Of Doom« zurück in die Achtziger

    Brasilianer um Ex-Sepultura Jairo Guedz gastierten in Belval

    Am 11. November lud die MK Bar im südluxemburgischen Belval einmal mehr zu einem Metal-Abend der Extraklasse: Kein geringerer, als Jairo »Tormentor« Guedz, Ex-Mitglied der bekannten brasilianischen Thrash-Metaller von Sepultura, machte in der gewohnt familiären Atmosphäre der Bar mit seinen Mannen der im Pandemiejahr 2020 neu gegründeten Formation »The Troops Of Doom« im Rahmen ihrer »A Mass To The Grotesque«-Europatour halt.

    Guedz war Leadgitarrist von Sepultura in den Anfangsjahren und maßgeblich an den Aufnahmen der folgenden frühen Klassiker wie »Morbid Visions« (Album, 1986) und »Bestial Devastation« (EP, 1985) beteiligt. Nach einer freundschaftlichen Trennung von der Band widmete er sich zunächst anderen Aktivitäten, bevor er, gemeinsam mit Alex Kafer (Bass & Gesang), Alexandre Oliveira (Schlagzeug) und Marcelo Vasco (Gitarre) die »Troops« gründete. Vasco arbeitete in der Vergangenheit unter anderem als Grafiker für Slayer und Kreator. Kafer war Live-Gitarrist bei der brasilianischen Formation Matanza. Der Bandname stammt übrigens vom bekanntesten Song des Sepultura-Albums »Morbid Visions«.

    Bekannt für gepflegte Metal-Abende: Die MK Bar in Belval.

    Insgesamt also eine Menge Know-How in einer zeitlich jungen Band, die sich vor ihrem Auftritt an diesem Dienstagabend die gut gefüllte Bar von den Thrash-Lokalmatadoren »Sublind« ordentlich aufheizen ließen. Die Band ist seit ihrer Gründung 2006 längst aus den Kinderschuhen gewachsen und präsentiert ihrer treuen Fanbase soliden Thrash, der mit schnellen Riffs und experimentierfreudigen Vocals sein Vorbild ebenfalls in den 1980er und 1990er Jahren sucht. »Sublind« sind ebenfalls längst überregional bekannt und teilten sich bereits mit Metalgrößen, wie Exodus, Warbringer oder Benediction die Bühne. »Sublind«, das sind Luca Tommasi am Mikro, Kevin Gricius am Schlagzeug sowie Mehdi Addi am Bass sowie der in Kürze scheidende Ben Wilmes an der Gitarre. Die Band hat im laufenden Jahr ihre neueste EP »Metalmorphosis« veröffentlicht. Dessen Cover ist nebenbei bemerkt ein herrliches New-Wave-of-Thrash-Motiv.

    Sublind

    Alles da also für einen weiteren Top-Metalabend für kleines Geld: Mit 20 Euro im Vorverkauf war man diesmal dabei und auch in kleinen Kneipen kann durchaus gemoshed und abgetanzt werden. »The Troops Of Doom« haben in ihrer noch kurzen Bandgeschichte bisher zwei Alben veröffentlicht, von denen das letzte, »A Mass To The Grotesque«, namensgebend für die Tour, im vergangenen Jahr erschien. Ihr selbst auferlegter Anspruch, die alten Zeiten, inspiriert von der frühen Ära von Sepultura sowie Bands wie Slayer, Celtic Frost, Kreator und Possessed wieder auferstehen lassen zu wollen, ist vollauf gelungen.

    The Troops Of Doom. V.l.n.r.: Alexandre Oliveira (Schlagzeug), Marcelo Vasco (Gitarre), Alex Kafer (Bass & Gesang) und Jairo »Tormentor« Guedz (Gitarre).

    Songs vom neuen Album, wie »Chapel Of The Unholy« oder »Dawn Of Mephisto« sind mit ihrer Oldschool Mischung aus Death- und Thrash-Metal nur zwei Beispiele, daß von dieser Formation noch viel zu erwarten sein darf.

    Auch für Merch zu fairen Preisen war gesorgt. So gab es neben der neuen EP von »Sublind« auch die aktuellste Scheibe von »Troops Of Doom« sowie einiges an Shirts und anderen Devotionalien beider Gruppen.

    »A Mass To The Grotesque« (2024). Blue Vinyl limitierte Tour Edition.

    Text und Fotos: chrkuehne

  • Bridel! Bang Your Heads!

    16. Ausgabe des »Metalfestival Kopstal«

    Es war bereits die sechzehnte Edition des mittlerweile überregional bekannten Metalfestivals Kopstal, welches erneut in der Brideler Sporthalle stattfand. Und die Metalheads von nah und etwas weniger nah ließen sich das Lineup der luxemburgischen Metal-Creme nicht entgehen. Bereits um 13 Uhr fiel am vergangenen Samstag der Startschuß mit der Band Viktoria, nachdem in letzter Minute aufgrund gesundheitlicher Absagen von Count Wizzard und Kraton noch einmal am Zeitplan gewerkelt werden mußte. Eingesprungen sind für Kration die Melodic-Black-Metaller von Dreadnought. So schade es um die Ausfälle ist, so schön war es, Dreadnought wieder einmal in Aktion zu sehen. Ihr letztes Album »Path To The Unknown« sei hiermit ans Herz gelegt.

    Den nachfolgenden Auftritten von Last Prophecy und Fallen Lies folgte eine Jam Session, an der auch die Nachwuchsmetaller ihre Freude hatten, bevor im Anschluß Cosmogon den Abend einläuteten. Die Jungs verschmelzen Einflüsse von Doom über Punk bis hin zu Metal und Progressive Rock zu einem mächtigen Sound. Nach ihren ersten beiden Studio-EPs »Chaos Magnum« und »Devolution« folgte das Album »Penumbra« im Jahr 2023.

    Cosmogon

    Im Anschluß folgten Dreadnought mit ihrem vollen, melodischen Black-Metal-Sound, der immer wieder mit Thrash-Einlagen spielt. Das umgedrehte Kreuz und das Pfarrer-Outfit von Sänger Bob Wintersdorff, früher mit Assorted Nails aktiv, gehören ebenfalls zur Grundausstattung eines jeden Auftritts.

    Dreadnought

    Danach kamen dann die wohl am meisten erwarteten Auftritte des Abends: Zunächst ließen es die Death-Metal-Urgesteine von Desdemonia vor der mittlerweile zu rund zwei Dritteln gefüllten Halle ordentlich krachen. Ihr letztes Album »Anguish« hat zwar bereits sieben Jahre auf dem Buckel, dem Abriß, den diese Songs liefern, tut das jedoch keinen Abbruch. Die Vocals von Tom und Marc Dosser sitzen und die Interaktion der Band mit den Fans, die zwischendurch immer wieder ihre Jungs anfeuerten, paßt ein ums andere Mal. Eine Erfahrung aus über 20 Jahren Bandgeschichte ist ihnen anzusehen. Der schwere Metal, gepaart mit der tiefen Lead-Stimme animiert von der ersten Minute an, mitzugehen.

    Desdemonia
    Desdemonia
    Desdemonia

    Den Abschluß machten die mittlerweile ebenfalls international für Aufsehen sorgenden Thrasher von Scarlet Anger. Auch hier zeigte sich deutlich die Routine im Umgang mit dem Publikum. Zu keinem Moment wurde es unter den fünf Bandmitgliedern um Sänger Joe Block zu statisch auf der Bühne, immer war Bewegung und Leidenschaft drin. Das letzte Album der Jungs, »Martyr«, stammt aus dem vergangenen Jahr und fand ein international großes Echo unter Metal-Fans. Ein letztes großes Highlight also an diesem Samstag und dann war auch die sechzehnte Ausgabe des Metalfestivals Geschichte.

    Scarlet Anger
    Scarlet Anger

    Es sind nicht immer die großen Konzerte und Festivals. Die Unterstützung der lokalen Musikszene sollte dem Fan genauso am Herzen liegen, wie manche Idole, die sich in der Rockhal das Mikro in die Hand geben. Das Metalfest Kopstal wird seit Jahren leidenschaftlich organisiert von Jeff Buchette und seinem Team und es fehlt an nichts: Die Freiwilligen Helfer des FC Kopstal ’33 kümmerten sich hingebungsvoll um Speis und Trank für die Musikfreunde, die auch dieses Mal wieder quer durch alle Altersklassen vertreten waren. Sogar für den kulinarischen Klassiker »Bouneschlupp« war gesorgt. Die Bands waren mit kleinen Merchandise-Ständen vertreten und wer ein paar Euro übrig hatte, investierte diese gern in schön gestaltete Shirts und Mützen sowie andere Devotionalien.

    Alles in allem ein Nachmittag in Bridel, der wieder einmal viel zu schnell vorüber ging. Aber nach dem Metalfest ist bekanntlich davor.

    Text und Fotos: chrkuehne

  • Alles neu macht der Oktober:

    Perkeles 13. Studioalbum »Theater« erschienen

    Die Band Perkele, im Jahre 1993 im schwedischen Göteborg aus der Taufe gehoben, war viele Jahre und Alben lang bekannt für ihre eingängigen Punk-Melodien und damit einhergehend deutlichen Positionen gegen Faschismus, Rassismus, Sexismus oder Homophobie. Genretechnisch ursprünglich aus dem Oi- und Streetpunk kommend, entwickelten die Mannen um Sänger und Leadgitarrist Ron Halinoja ihren eigenen Stil immer weiter und konnten ihre treue Fangemeinde immer wieder aufs neue begeistern. Ihre Hymne »Heart full of Pride« vom 2012er Album »No Shame« schließt jedes Konzert als Höhepunkt ab und gilt als wohl bekanntestes Stück der »Teufelchen« (»Perkele«).

    Die leichtgängigen Melodien erscheinen vielleicht manchmal etwas simpel, verfehlen jedoch ihre Botschaften weiterhin nur selten. Da geht es um die Probleme und Sorgen der Arbeiterbewegung, um Spaß am Leben oder auch um ihre geliebte Heimatstadt Göteborg. Waren Perkele anfangs höchstens einem kleineren Kreis in ihrer Heimat ein Begriff, entwickelten sie sich spätestens seit der Entscheidung, größtenteils auf Englisch zu Texten und zu singen, auch im Rest Europas eine wachsende Fangemeinde. Die Auftritte sind regelmäßig sehr gut besucht bis ausverkauft und die Jungs ohne Starallüren quasi eine Band zum Anfassen, die auch via Social Media nie verlegen ist, Anfragen in Windeseile persönlich zu beantworten. Und Fragen hatten wohl viele Fans in den Wochen vor Erscheinen des neuen Albums. Bereits vor Veröffentlichung der ersten Single »Theater« des gleichnamigen neuen Albums am vergangenen 4. Juli 2025 wurde über Social Media die Spannung gesteigert, indem man durchsickern ließ, daß ein neuer Stil und ein neues musikalisches Gewand ins Haus stehe. Hatte die Band zuletzt mit der EP »Back in Time« (2023) eine eher metal-lastige Neuvertonung einiger Klassiker veröffentlicht, lag, wer dachte, es würde in dieser Richtung weitergehen, komplett daneben. Die zweite vorab veröffentlichte Single »Sail Away« bestätigte den neuen Sound, bestehend aus leichteren Melodien als zuletzt, die eingängiger zum Mitsingen und -Tanzen einladen, jedoch weiterhin eine Botschaft transportieren wollen. Ging es zuletzt oft um schwere Themen, wie Selbstmord, Ausgrenzung oder gesellschaftliche Probleme, soll das neue Album eine Weiterentwicklung ihres Sounds in Richtung hellerer Töne und Themen, die Mut machen, sich nicht unterkriegen zu lassen und man selbst zu sein, darstellen. Während »Burn«, der erste Track der neuen Scheibe, direkt zur Mitsingnummer taugt und erstmal richtig pusht, beschäftigen sich Songs wie »Give it Back«, »Theater«, »Still there« oder »Attitude« deutlicher mit dem Thema der eigenen Identität im Sumpf des vorurteilbehafteten gesellschaftlichen Mainstreams. Immer wieder wird aufgerufen, seinen eigenen Weg zu gehen und in »Attitude« insbesondere dazu aufgerufen, als Punk die Werte der Bewegung nicht zu vergessen. Während es nach »Burn« musikalisch etwas ruhiger wird auf der Scheibe, präsentiert sich die zweite Hälfte der Songs wieder deutlicher im alten Perkele-Muster mit mehr rockigen Einlagen. Obschon die Band also angekündigt hatte, grundlegend am Stil zu feilen, wurde nicht alles über den Haufen geworfen, sondern mit Bedacht bearbeitet, anders als der etwa radikale Logo-Wandel, weg von der »Punkrock-Army«, hin zu sanfteren Formen. Das neue Album »Theater« ist am 3. Oktober 2025 beim deutschen Label Spirit of the Streets erschienen und auf allen gängigen Streaming Plattformen sowie den üblichen Tonträgern erhältlich.

    Plattensammler aufgemerkt: Das Bild zeigt die ebenfalls erhältliche und auf 1.000 Stück limitierte »Gold-Nugget« Vinyl. Das Logo und der Albumtitel des Covers sind geprägt und zusätzlich hat das Coverbild eine spezielle Lackveredelung. Das Vinyl selbst ist kein normales farbiges Vinyl, sondern eine spezielle Fertigung, wodurch eine Gold-Optik entsteht.

    »Gold Nugget« Vinyl des neuen Albums. (Foto: Spirit of the Streets)
  • Europatour und neues Album:

    Kreator legen nach mit »Krushers Of The World«

    Nach dem Gastspiel der Altenessener Thrasher im Dezember 2024 in Esch, als sie gemeinsam mit Anthrax und Testament die Rockhal zum Brennen brachten, kündigen Kreator um Frontmann Mille Petrozza am Mittwoch erneut Großes an: Ein neues Album mit dem Titel »Krushers Of The World«, ihr mittlerweile sechzehntes Studioalbum nach »Hate Über Alles« im Jahr 2022, soll am kommenden 16. Januar 2026 veröffentlicht werden, begleitet von einer Europa-Tour. In diesem Zusammenhang werden die Thrash-Titanen aus dem Ruhrpott am kommenden 31. März 2026 auch wieder in der Escher Rockhal zu Gast sein. Mit dabei haben sie diesmal die britischen Death-Metal/Grindcore-Veteranen von Carcass sowie der US-amerikanischen Powerviolence-Formation Nails. Dazu werden sie außerdem begleitet von Exodus. Letztere, eine im Jahr 1979 in Kalifornien ins Leben gerufene Thrash-Metal-Formation, gehören ohne Frage wie Kreator zum Who-Is-Who der internationalen Thrash-Szene. Exodus hat bisher elf Studioalben veröffentlicht, zuletzt die absolut hörenswerte Scheibe »Persona Non Grata« im Jahr 2021. Exodus, wie Kreator haben sich dem klassischen Thrash-Metal verschrieben, behandeln Themen wie Krieg, soziale und gesellschaftliche Probleme und sind ihrer Linie bis heute treu geblieben. Kreator-Tracks, wie »World War Now« oder »Totalitarian Terror« haben auch nach Jahren an Aktualität nur noch zugenommen.

    Wer also gedacht hatte, daß es um Kreator im kommenden Jahr vielleicht etwas ruhiger werden könnte, nachdem 2025 bereits eine ganze Reihe Festival- und Hallenauftritte absolviert, ein Film über die Band mit dem Titel »Hate & Hope« sowie Petrozzas exzellent geschriebene Autobiographie »Your Heaven – My Hell« über die ersten Jahre der Band und sein eigenes Leben im Ruhrgebiet der 1970er und 80er Jahre veröffentlicht wurden, der hat sich geirrt. Bereits in den vergangenen Tagen haben kryptisch anmutende Nachrichten auf den Social-Media-Kanälen der Band das Neue angekündigt. Die erste Single aus dem neuen Album mit dem Titel »Seven Serpents« soll noch an diesem Freitag, dem 26. September veröffentlicht werden, gleichzeitig mit dem Pre-Sale (Vor-Vorverkauf) auf Eventim.

    Vorverkauf startet bald

    Der reguläre Vorverkauf für die »Krushers Of The World«-Tour beginnt am Montag, dem 29. September 2025 um 10 Uhr auf den bekannten Plattformen. Weitere Infos hierzu unter http://www.kreator-terrorzone.de/. Für das Konzert in der Escher Rockhal beginnt er zur gleichen Zeit auf https://rockhal.lu/shows/kreator-2026/.

    Nach den mitreißenden Shows auf Festivals 2025 und einer unfaßbar geilen Deep-Cuts Club-Minitour in packevollen Sälen gemeinsam mit Warbringer und Rotting Christ legen Mille, Ventor Sami und Frédéric noch eine Scheibe drauf und wieder haben sie erstklassige Unterstützung an Bord. Ein Highlight wird sicherlich dabei auch das »Heimspiel« in Essen im kommenden April werden. Wenn dieser Mittwoch mal nicht ein frühzeitiges Weihnachtsgeschenk ist, dann weiß ich es auch nicht.

    (Text: chrkuehne, Foto: Kreator)

  • Momentaufnahme

    Samstag, 13. September um 16.30 Uhr in Nörtzingen🇱🇺

  • »Thrash at the Monastery«

    Tankard, Destruction und Kreator in Gießen

    Am vergangenen Freitag, dem 22. August war ich zum ersten Mal in Gießen. Die 90.000-Einwohner-Kreisstadt in Hessen hat nach meinem Dafürhalten kein sonderlich attraktives Zentrum, beherbergt jedoch unter anderem das ehemalige Kloster Schiffenberg auf dem nahen, 280m hohen Hausberg der Stadt. Dieser Berg war bereits in der späten Bronzezeit besiedelt, wie Archäologen erklärten. An jenem Freitag wurde er nun von Thrash-Metal-Freunden aus nah und fern heimgesucht, die sich auf ein ganz besonderes Lineup im Rahmen der Konzertreihe »Gießener Kultursommer« freuen durften: Drei der »big four« des deutschen Thrash-Metal gaben sich hier an einem einzigen Abend die Ehre. Das Ticket hatte ich bereits früh im Jahr erstanden, natürlich wegen Kreator, jedoch auch, um Destruction endlich einmal live zu sehen. Das aktuelle Album »Birth Of Malice« hat mich wirklich sehr begeistert. Ein Shuttlebus brachte die Zuschauer schnell und komfortabel auf den Klosterberg, wo sich in einem tollen Ambiente Bühne, Verköstigungs- und Merchstände in die Szenerie fügten.

    Nettes Gelände
    Tankard

    Tankard gründeten sich 1983 und sind unter anderem für die Fußballhymne »Schwarz-Weiß wie Schnee« für ihren Lieblingsklub Eintracht Frankfurt bekannt. An diesem Abend war allerdings für jeden etwas dabei und Andreas »Gerre« Geremia wußte von der ersten Minute an, welche Knöpfe er beim Publikum drücken mußte, damit die Stimmung schnell auf Betriebstemperatur war.

    Im Anschluß inspizierte ich während der Umbaupause das kulinarische Angebot. es gab allerhand für das leibliche Wohl und das zu durchaus humanen Preisen. Das Bier war schnell gezapft, auch gab es an den Essensständen und auf dem Weg zu den Toiletten keine nennenswerten Staus. Die Organisation hat mich wirklich beeindruckt.

    Als nächstes gaben Destruction Vollgas. Die stimmlichen Fähigkeiten von »Schmier« (Marcel Schirmer), der mit kurzer Unterbrechung seit Bandgründung 1982 am Mikro steht, sind absolut beeindruckend. Die tollen Riffs und die gesamte, energiegeladene Show haben mich absolut begeistert. Destruction werde ich eventuell im Oktober in Oberhausen wiedersehen, ganz sicher jedoch im kommenden August in Eindhoven, wo ich mir zwischenzeitlich ein Ticket fürs »Dynamo Metal Fest« gesichert habe. Zwar spielten Kreator erst in diesem Jahr wieder dort, doch hoffe ich, im nächsten Jahr Glück auf ein Wiedersehen dort zu haben.

    Destruction
    »Schmier« war in Höchstform.

    Apropos Kreator: Der Höhepunkt und Abschluß des Abends gehörte natürlich dem Altenessener Thrasher Mille Petrozza und seiner Kultband. Wall Of Death, Circle Pit oder Crowdsurfing: Die Jungs ließen das Publikum nicht zur Ruhe kommen. Die energiegeladene und feurige Show war von der ersten bis zur letzten Minute der absolute Wahnsinn. Ich könnte den Jungs stundenlang zusehen und zuhören. Nebenbei erwähnte Mille ein neues Album Anfang 2026 und ich bin mir nicht sicher, ob es um eine Live-Scheibe geht, das habe ich leider akustisch nicht richtig mitbekommen.

    Warten auf Kreator
    Sami Yli-Sirniö
    »Flag Of Hate« ist ein absoluter Burner und stammt aus 1986. Da war ich zehn Jahre alt.
    (V.l.n.r.:) Mille, Ventor (Schlagzeug, verdeckt) und Frédéric Leclercq.
    Das war das letzte Kreator-Konzert in Deutschland 2025. Wo werden wir uns 2026 wiedersehen?

    Irgendwann war dann aber wirklich Schluß und nach dann doch einer kleinen Schlangenbildung beim Warten auf den Shuttlebus in die Stadt war ich froh, sitzen zu können, bevor ich die 2 km zurück ins Hotel die Beine noch einmal benutzen mußte. Ein toller Abend. Dies nicht nur wegen den geilen Bands, sondern auch aufgrund der tollen Organisation des Gießener Kultursommers. Ich bin gespannt, wer nächstes Jahr den Schiffenberg thrashen darf und würde gerne wiederkommen.

    Text und Photos chrkuehne

  • Unterwegs im Vinschgau

    Wanderungen in Südtirols Nordwesten

    In der vergangenen Woche verschlug es mich endlich wieder in die Berge. Für mich ein magischer Sehnsuchtsort mein ganzes Leben lang, was sicherlich auch daran liegt, daß Vater uns in den 1980ern und 90ern regelmäßig in den Sommerferien zumeist ins Allgäu schleifte, während die Schulkollegen an irgendeinem Beach lagen. Damals habe ich es gehaßt. Wenn mit 16 die Hormone beginnen, Pogo zu tanzen und andere Interessen wecken, als in den Schulferien morgens um 5 Uhr aufzustehen, um die Scesaplana im Schweizer Rätikon zu erklimmen oder drei Wochen lang während der Osterferien im verregneten Ostallgäu trüber Touren zwischen Weihern zu unternehmen.

    Damals ahnte ich noch nicht, daß es aber genau diese Erlebnisse sein werden, die mich bis ins Erwachsenenalter prägen und selbst antreiben sollten, die Freude an den Bergen weiter zu tragen. Wie es das Schicksal will, ist es mir nicht mehr möglich, mit meinem Vater darüber zu fachsimpeln, verstarb er doch vor einem Vierteljahrhundert, jünger als ich es heute bin.

    Und so wird die Fahrt ins Allgäu und darüber hinaus jedes mal nicht nur eine Fahrt in die Berge, sondern auch zu den Erinnerungen der Kindheit und Jugend. wenn, gutes Wetter vorausgesetzt, hinter dem Rastplatz »Allgäuer Tor« an der A7 südwärts sich plötzlich die Kulisse der Allgäuer und Tannheimer Berge zeigt. Immer öfter aber habe ich in den letzten Jahren auch andere Regionen besucht, Abwechslung braucht der Mensch.

    So führte mich die rigide Corona-Politik Bayerns im Jahr 2020 mit einem Einreisetest in der Tasche, den eigentlich keiner sehen wollte, erstmalig nach Vorarlberg ins Montafon. Eine Entdeckung, die mich bis heute sehr glücklich macht. Dort habe ich seither bereits viermal eine gute Zeit verbracht und wunderbare Natur genießen können. In diesem Sommer aber wollte ich mal wieder über die Landkarte wandern und schauen, wo ich etwas neues oder neues altes entdecken könnte. Denn interessanterweise heftet sich das Hirn immer gerne an jene Regionen, die einem aus der Kindheit in Erinnerung geblieben sind.

    Das wohl berühmteste Wahrzeichen des Vinschgau ist der Kirchturm von Altgraun im Reschensee.

    So war es auch diesmal, als meine Wahl aufs südtiroler Vinschgau fiel. Die Region am Ortler kannte ich bisher nur durch eine einmalige Durchfahrt über Reschenpaß und über Meran in Richtung Gardasee zu einem der genannten Familienurlaube. Mich hat Südtirol immer fasziniert, auch wegen der politisch-geographischen Situation. Meine Wahl fiel auf das Örtchen Burgeis direkt am Rande der langen Halde, welche sich vom Reschensee hinab bis nach Mals zieht. Als wir Ende der 1990er Jahre hier vorbeifuhren, blieben mir die Schilder und gesprayten Parolen entlang der Strecke im Kopf. Eine beeindruckende Bergkulisse, über welcher der Ortler majestätisch thront, die aufgrund dieses politischen Schwelbrandes eine gewisse surreale Faszination auf mich ausübte. Von Nauders in Tirol her kommend, ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, in Graun kurz zu halten, um den legendären Kirchturm zu sehen.

    Blick von Burgeis über die Halde, durch welche sich die SS40 von Reschen in Richtung Meran schlängelt.

    In den Tagen, die ich nun im oberen Vinschgau verbrachte, nahm ich keinerlei Reibungen wahr. Mein Vermieter, Südtiroler, kokettierte häufig mit italienischen Sprüchen, sprach dieses fließend mit seinen italienischsprachigen Gästen und hob die Vorteile hervor, die eine Zweisprachigkeit bringe. Ich selbst bin allerdings in der gesamten Woche in Restaurants, Geschäften und anderswo ausnahmslos mit Deutsch ausgekommen. Während Städte wie Meran oder Bozen langsam den Kipp-Punkt erreichen oder bereits überschritten haben, nach welchem mehr italienischsprachige Einwohner gezählt werden, als deutschsprachige, schien dies im Obervinschgau weit weg.

    Burgeis von Oben mit Fürstenburg und Pfarrkirche. Im Hintergrund der Hauptort Mals.

    Ich bezog ein hübsches kleines Zimmer mit Balkon und Blick auf die Bergkulisse und nutzte den ersten Tag, komplett verregnet, zur Akklimatisierung. Oftmals allerdings will mein Kopf schnell mehr, als mein Körper, dessen beste Kondition trotz regelmäßigen Joggens und gelegentlicher heimischer Wanderungen auch schon etwas her ist. So zog es mich am ersten Tag, unmotiviert, schon wieder ins Auto zu steigen, den Hausberg Watles hinauf. Mein Ehrgeiz interessierte sich mal wieder nicht für die Seilbahn und so war ich an jenem ersten Tag von 1.250 Metern Ortshöhe auf 2.300 Meter. es war schön, wieder in der grünen Natur des Alpenraumes unterwegs zu sein, so sehr ich verschiedene luxemburgische Regionen schätze. Aufgrund meiner Geschichte fühle ich mich hier einfach mehr zuhause. Die Überschreitung des Watlesgipfels aber ließ ich aus, da der Regen und der kalte Wind sich mit zunehmender Höhe deutlich intensivierten. Ich zog es vor, zur Bergstation der Seilbahn zu wandern, um mir dort ein paar Würstel und Bier zur verregneten Aussicht zu gönnen. Der Abstieg fand, natürlich nicht mit der Bahn, ganz einfallslos über den breiten Fahrweg bis oberhalb von Burgeis statt, wo ein kleiner Bergpfad mich zu dem kleinen »Bergsee« zurück führte, an welchem ich bereits beim Anstieg vorbeigekommen war. Für eine erste kleine Tour waren 18,3 km Strecke und 1.119 Höhenmeter in 5:30 Stunden sicherlich nicht schlecht.

    Der Ausblick von der Watles-Bergstation blieb überschaubar.
    Weiter unten lud der »Bergsee« zum Verweilen in absoluter Ruhe ein.

    Der zweite Tag sollte dann bei deutlich besserem Wetter mit der »Spitzigen Lun« (2.324m) oberhalb von Mals einen Gipfel bringen, der für seine tolle Aussicht bekannt ist. Da ich in einer Frühstückspension untergebracht war, wo ein Fortkommen auch mir Frühstücksmuffel nicht vor 9 Uhr möglich war, platzte mein Plan, die »Lun« über den kürzeren, steileren Weg ab dem kleinen Örtchen Planeil anzugehen, da hier alle elf Parkplätze bereits belegt waren. Also wieder hinunter nach Mals gefahren und dort vom großen Parkplatz aus den Hauptanstieg gewagt, welcher rund 1.200 Höhenmeter zu bieten hat.

    Der Weg schlängelt sich, mal auf dem Fahrweg, mal als Pfad zwischen her, den Hang hinauf und bietet immer wieder Ausblicke auf Mals und darüber hinaus.

    Mals
    Sonniger Steig auf dem »Balkon« über Mals mit Blick zum Ortler-Massiv.
    Glurns von oben, das ich am übernächsten tag noch besuche.
    Wunderbare Weitsicht

    Allerdings machte sich in der Höhe bemerkbar, daß meine Kondition trotz regelmäßiger sportlicher Aktivitäten in heimischen Gefilden wohl doch nicht mehr so höhentauglich ist. Zwar bin ich ein- bis zwei Mal im Jahr in den Bergen unterwegs, doch scheint dies kein Garant mehr für entsprechende Höhenfitneß zu sein. Rund 200 Meter unterhalb des »Lun«-Gipfels verließen mich die Kräfte. Auch vermehrte Pausen brachten keinen erholsamen Effekt. So beschloß ich schweren Herzens, den Rückweg anzutreten. Eigenschutz ist für mich das höchste Gut in den Bergen. Natur und Gesundheit bestimmen, wie weit ich Spaß haben darf und das herauszufordern halte ich für fahrlässig. Doch beim Abstieg zurück nach Mals hatte ich viel Freude an den Ausblicken, so daß das fehlende Gipfelkreuz an diesem Tag für mich leicht zu ertragen war.

    Blick hinüber zum Watles und zur Sesvenna-Gruppe mit der Fürstenburg und dem Kloster Marienberg bei Burgeis. Dort oben rechts bin ich gestern im Regen gekraxelt.

    Die Churburg ist eine hochmittelalterliche Burg über Schluderns, die zu den am besten erhaltenen Burgen der Region zählt. sie wurde um 1250 vom Fürstbischof Heinrich von Montfort von Chur erbaut, um die aufstrebenden Herren von Matsch in Schach zu halten, wie es heißt. Im Jahr 1297 ging die Burg in den Besitz eben jener Herren von Matsch über. Nach dem Tod des letzten männlichen Vertreters der Matscher im Jahr 1504 fiel die Burg an die Familie Trapp, welche bis heute Eigentümer ist. Nach meiner Wanderung bei Mals fuhr ich kurz nach Schluderns und konnte immerhin einen Schnappschuß mitnehmen.

    Die Churburg in Schluderns

    Am Mittwoch, dem dritten Tag, ging es dann nach Sulden am Ortler. Die Fahrerei dorthin, teils über die Stilfserjoch-Straße, entpuppte sich aufgrund von Radfahrern, Baustellenfahrzeugen und dem üblichen Verkehr als so anstrengend, wie gedacht. Oben angekommen war es erstaunlich wenig überfüllt. Mein heutiges Tagesziel sollte keiner der Gipfel meiner »To-do-Liste« sein, sondern aufgrund der gesundheitlichen Erfahrung des Vortages ein Aufstieg zur Düsseldorfer Hütte (2.721m) durch das Zaytal, welcher mit zweieinhalb Stunden veranschlagt ist.

    Bergwelt um Sulden

    Zu Beginn wird der Pfad begleitet von einen reißenden Wildbach, später umstanden von Kühen, die sich nicht sonderlich für den Wanderer interessieren.

    Immer aber im Rücken: Der große Ortler, der bis auf ein paar lichte Momente sein Haupt verdeckte. Sowieso habe ich in der gesamten Woche vor Ort auch vom Balkon meines Zimmers in Burgeis aus den Ortler nie »oben ohne« sehen können.

    »König« Ortler (3.905m). Höchster Berg Südtirols sowie der gesamten Region Tirol.

    Im oberen Teil nahmen die Wandererströme dann aufgrund des zukommenden Weges vom Kanzellift deutlich zu und »Everest-Feeling« machte sich in den letzten Serpentinen zur bereits sichtbaren Hütte breit.

    Wanderer wie an der Perlenschnur. Insbesondere Niederländer und Italiener pflegen beim Wandern gern ohne Unterlaß zu reden.
    Sehnsuchtsort (für heute): Die Düsseldorfer Hütte (Rifugio Serristori).

    Auch hier überkam mich kurz vor dem Ziel wieder diese eigenartige Erschöpfung, wie bereits am Vortag. Dieses Mal allerdings erreichte ich mein Ziel und ein großes Glas Spezi weckte die Lebensgeister für einen nahezu beschwerdefreien Rückweg, den ich auch recht zügig antrat, da die Hütte brechend voll war und ich mich nicht wirklich wohl fühlte. Die umliegende Berggegend ist wunderschön, jedoch aufgrund des Trubels an diesem Tag für mich nicht wirklich zu genießen. Im Abstieg, insbesondere nach dem Abzweig zum Kanzellift, war ich nahezu allein und konnte doch noch die Natur aufsaugen.

    Der Donnerstag, vierter Tag, wurde genutzt, um das obere Tal bis nach Glurns einmal zu erkunden, zumal das Wetter sich auch deutlich besser präsentierte. Der Weg führte zunächst durch Burgeis und hinaus an der Fürstenburg vorbei.

    Zunächst ging es entlang des Radweges durch Schleis, einem kleinen Dörfchen südlich von Burgeis.

    Es ist immer unangenehm, auf Radwegen wandern zu müssen, genau, wie es unangenehm ist, Radfahrer auf Wanderwegen ertragen zu müssen. Hier allerdings führte der ordnungsgemäße Wanderweg alternativlos entlang der Radroute Via Claudia Augusta. Man hält sich halt am Rand. In Laatsch verlasse ich die Radroute und nehme eine kleine Teerstraße jenseits der Brücke über die junge Etsch in Richtung Glurns.

    bei der Pfarrkirche zum heiligen Luzius biege ich ab in Richtung Glurns.

    Im Anschluß an den Abzweig in Richtung Glurns bei der Kirche on Laatsch komme ich auf der sonnigen und aussichtsreichen Teerstraße mit Blick auf die Obstplantagen vor Glurns auch an einem, alten Bunker vorbei, der allerdings nicht zugänglich war.

    Mussolinibunker mit Blick ins Münstertal in Richtung Taufers.

    Die Bunker bei Laatsch im Vinschgau sind Teil des sogenannten Alpenwalls (italienisch: Vallo Alpino), einer massiven Befestigungslinie, die in der Zeit des Faschismus unter Mussolini errichtet wurde. Sie sollte die italienischen Staatsgrenzen, insbesondere zu Frankreich, der Schweiz, Jugoslawien und dem Deutschen Reich, sichern. Die Anlagen mussten nie einem Angriff standhalten.

    Die Bauarbeiten am Alpenwall begannen in den 1930er Jahren. Die Bunker sollten als Verteidigungsanlagen und Rückzugsorte für Soldaten dienen und einige Anlagen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg und während des Kalten Krieges in NATO-Planungen eingebunden. Nach 1990 wurden dann die Anlagen geschleift und teilweise verkauft. In der Gegen um Mals stehen einige solcher Teile in der Landschaft.

    Weiter geht der Weg bei strahlendem Sonnenschein entlang von Obstanbauten in Richtung Glurns, der kleinsten Stadt Südtirols und einer der kleinsten im gesamten Alpenraum überhaupt. Ihren mittelalterlichen Charakter hat sie von ihrer vollständig erhaltenen Stadtmauer. Glurns wurde erstmals 1163 urkundlich erwähnt und erhielt 1291 das Marktrecht. Durch seine günstige Lage an der Etsch und an wichtigen Handelsrouten wie der Via Claudia Augusta, nach welcher auch der oben begangene Radweg benannt ist, erlangte die Stadt im 14. und 15. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blüte, insbesondere durch den Salzhandel. Nach der Zerstörung im Engadiner Krieg (Schlacht an der Calven) im Jahr 1499 wurde die Stadt im 16. Jahrhundert unter Kaiser Maximilian I. wieder aufgebaut und mit der bis heute bestehenden, vollständig erhaltenen Stadtmauer mit ihren drei Tortürmen (Malser, Schludernser und Tauferer Torturm) und zehn Wehrtürmen befestigt. Glurns liegt strategisch günstig am Knotenpunkt mehrerer wichtiger Alpenpässe (Reschenpass, Ofenpass, Stilfser Joch).

    Entlang von Obstplantagen nach Glurns.
    Auf dem Stadtplatz herrscht reges Treiben.
    Die mächtigen Wehrtürme bestimmten das Stadtbild.
    Eindrucksvoll zeigt sich die östliche Stadtmauer im Bereich der Volksschule.
    Außerhalb der Stadtmauern sind Gärten angelegt.

    Ohne mich lang in Glurns aufzuhalten, bestaune ich die mittelalterliche Anlage und gehe bald weiter in Richtung Tartsch, nordöstlich gelegen. Unterwegs weiterhin verwöhnt mit tollen Aussichten.

    Anstieg zum Tartscher Bichl (oder auch Bühel) mit Blick zurück auf Glurns.

    Der Anstieg zum Tartscher Bichl oder auch Bühel genannt ist dann doch etwas schweißtreibend. Der Bichl ist 1.077m hoch un ein markanter, kahler Rundhügel bei Mals. Er ist ein Wahrzeichen der Region und bekannt für seine historische und geologische Bedeutung. Historikern zufolge war er bereits in vorrömischer Zeit besiedelt, woraufhin entsprechende Funde schließen lassen. Oben liegt der kleine Ort Tartsch, welcher 1928 zu Mals eingemeindet wurde und etwa die Pfarrkirche St. Andreas beheimatet, welche im Jahr 1499 im Engadiner Krieg zerstört und 1503 neu geweiht wurde. Sie besitzt einen romanischen Turm und ein spätgotisches Netzrippengewölbe. Hier mache ich eine ausgedehnte Pause und beschließe, die Einkehr, welche eigentlich für Glurns geplant war, nach Mals zu verlegen.

    Pfarrkirche St. Andreas in Tartsch.

    Von nun an geht es entlang der Hauptverkehrsstraße nach Mals. Der mittlere Waalweg, den ich mir eigentlich ausgesucht hatte, war im Bereich eines weiteren Mussolinibunkers gesperrt, weshalb der mühsame Anstieg völlig umsonst war. Die Sperrung ist nirgends ausgeschildert.

    Bunker 23 zwischen Tartsch und Mals.

    Der Bunker 23 in Tartsch ist ein herausragendes Beispiel für die Umnutzung der ehemaligen Militäranlagen des Alpenwalls. Er wurde er in ein Kunst- und Kulturprojekt verwandelt, welches zeitweise besichtigt werden kann.

    Mals von Süden.

    Dann erreiche ich Mals, welches ich ja bereits vom Dienstag flüchtig kenne. Hier gibt es erstmal zwei kalte Humpen Forst Bier und was zu knabbern, bevor ich mich durch den Ort und über den Sonnensteig zurück nach Burgeis aufmache.

    Im Zentrum von Mals.
    Noch ein Bunker.

    Der Sonnensteig quert die Halde, welche sich vom Reschensee hinunter ins Tal erstreckt und die auch von der SS40 im Zickzack durchzogen ist. er bietet noch einmal eine schöne Talsicht. Dann ist Schluß und ich bin ziemlich erschöpft. Eine tolle Rundtour und das ganz ohne Gipfel. Es war zwar anstrengend aber nicht so sehr, wie die Gipfel-Schinderei. Wegweisendes Erlebnis.

    Der Freitag war mein Letzter Tag in Südtirol. Das Wetter war bereits in Abreiselaune und bescherte mir einen völlig verregneten Morgen, an dem ich nach Reschen am See fuhr, um ein bißchen spazieren zu gehen. Dort angekommen, beschloß ich, die Etschquelle aufzusuchen und nebenbei die dortigen Bunkeranlagen.

    Dürftiges Wetter zu Beginn des letzten Tages.

    Der Anstieg zur Etschquelle, an welcher sich eine Busladung italienischer Touristen tummelte, verlief größtenteils durch den Ort.

    Gute Reise zur Adria!

    Nachdem die Quelle abgehakt war und das Wetter tatsächlich besser wurde, beschloß ich im Anschluß an die Besichtigung der Bunkeranlagen im Quellenbereich (nur von außen möglich ohne Führung), den Forstweg hinauf in Richtung der Panzersperren- und Kasernenanlagen aus der Mussolinizeit zu gehen, hielt mir aber die Option Abstieg nach Nauders in Tirol offen. Letzterer Plan wurde allerdings durch Sperrungen der Wege nach Nauders an der Grenze zunichte gemacht.

    Beim Check mehrerer Wetter-Apps und auch des Vinschgau-Wetters sah ich allerdings, daß gegen 14 Uhr Gewitter gemeldet waren und so beschloß ich, nicht zu lange in der Höhe zu bleiben und in Richtung Süden wieder bis nach Reschen abzusteigen. Dabei taten sich einige schöne Aussichten auf. Pünktlich unten im Ort fing es stark an zu regnen. Das Gewitter blieb zwar aus, jedoch war es nicht verkehrt, rechtzeitig abgestiegen zu sein.

    Blick über Reschen am See zum Haideralm-Lift unterhalb von Zehnerkopf, Zwölferkopf und Elferspitze.

    Am Abend noch einmal bis es dunkel wurde auf meinem phantastischen Balkon gesessen, Musik gehört und Bier getrunken. Es war eine schöne Woche.

    Nach einem kräftigen Gewitter am Abend zeigte sich die Sonne noch einmal …
    … und auch König Ortler zog kurz seinen Hut für mich zum Abschied.
    Die Farben und Kontraste der Berge veränderten sich am Abend quasi minütlich, wie hier bei der Tschenglser Hochwand. Ich hätte 100 Fotos machen können.
    Was man von meinem Balkon aus unter anderem sehen konnte.

    Text und Fotos: chrkuehne

  • Am 11. März in der Rockhal:

    Heaven Shall Burn auf »Heimat Over Europe Tour«

    In ihrer mittlerweile zuverlässig grandiose Künstler nach Luxemburg lenkenden »Temple Of Metal«-Konzertreihe hatte die Escher Rockhal am Mittwoch einen weiteren Kracher zu vermelden: Diesmal sind es Heaven Shall Burn aus Deutschland, die mit ihrem neuen Album »Heimat« im kommenden Jahr auf große Europa-Tournee gehen und in diesem Rahmen am kommenden 11. März auch in Esch/Alzette Station machen . Begleitet werden sie von The Halo Effect aus Göteborg, die in Luxemburg bereits bekannt sein dürften und im Stile des Melodic Death Metal ihrer Landsleute von In Flames unterwegs sind. Außerdem sind The Black Dahlia Murder, ebenfalls eine Melodic Death Metal Combo, die aus den USA kommen sowie ihre Landsleute von Frozen Soul, einer Death Metal Formation im »Old School« Sinne mit von der Partie.

    Heaven Shall Burn selbst sind eine deutsche Metalcore-Formation aus dem thüringischen Saalfeld, die 1995 gegründet wurde und für ihre sozialkritischen und politischen Songtexte gegen Rassismus, Faschismus und für Tierrechte bekannt sind. Der provokante Titel des neuen und mittlerweile zehnten Albums »Heimat« mit dem graphisch sehenswert gestalteten röhrenden Hirsch, dem deutschesten der deutschen Klischees, soll unterstreichen, was die Band deutlich sagt: »Es ist nicht richtig, den Begriff Heimat irgendwelchen Schwachköpfen zu überlassen«. So soll der Titel »Heimat« ein breiteres Verständnis von Heimat widerspiegeln, welches sowohl die Herkunft verschiedener Menschen als auch die Idee einer »spirituellen Heimat« umfasse, wie es weiter heißt.

    Vorverkauf für Esch/Alzette beginnt Montag

    Doch nicht nur das neue Album werden Heaven Shall Burn im März mit im Gepäck haben, sondern viele andere Hits aus ihrem mittlerweile dreißigjährigen Repertoire.

    Der Vorverkauf für das Konzert in der Rockhal beginnt am kommenden Montag um 11 Uhr auf https://rockhal.lu/shows/heaven-shall-burn/. Weitere Infos auch unter: https://www.heavenshallburn.com/tour/. Wichtig: Die Vorverkaufsstarts für andere Termine der Tour beginnen größtenteils abweichend.

    Albumcover »Heimat« (2025).

    Text: chrkuehne, Grafik: https://www.heavenshallburn.com

  • In der Hitze von Heidelberg:

    Demonic Summer Tour – Kreator, Warbringer und Rotting Christ

    Zugegeben: So lange ich mich bereits für Metal interessiere, haben Kreator eigentlich lange Jahre nie eine führende Rolle in meinen täglichen Playlists gespielt. Sie gehörten mit einigen Songs zwar immer dazu, jedoch als eine Band unter vielen. Ich muß sagen, daß mein Interessenfeld im Metal auch recht weit gefächert ist. Bis zu jenem Abend in der Escher Rockhal am vergangenen 3. Dezember, als Kreator, begleitet von Testament und Anthrax, im wahrsten Sinne des Wortes ein derartiges Feuerwerk abbrannten, das ich sofort begann, mich intensiver mit der Band zu beschäftigen. Dazu verlangt eine vierzigjährige Historie natürlich, allerhand aufzuholen. Diese Jungs, war mein Entschluß, mußt du von nun an öfter sehen, und da ich kein Festivalgänger bin, fiel meine Wahl bei Ankündigung unter anderem direkt auf das Konzert in der halle02 in Heidelberg im Rahmen einer Minitour mit dem Namen »Demonic Summer«. Ganz besonders erfreut war ich, daß Kreator hier Warbringer und Rotting Christ mit dabei hatten, die ich beide ebenfalls und schon seit längerem unglaublich gut finde.

    Alle drei Bands sind in meiner Sammlung mit Tonträgern und Textilien vertreten.

    Warbringer konnte ich zuletzt im vergangenen Juni in der Escher KuFa erleben. Leider auch hier mit einem recht kurzen Auftritt. In Heidelberg allerdings noch einmal um rund zehn Minuten kürzer: Lediglich 30 Minuten dauerte der Auftritt, der es allerdings in sich hatte. Beim dritten Song war die unter der Sommerhitze und der schlechten Luftzirkulation ohnehin ächzende voll besetzte halle02 am Kochen: Circle Pits in Dauerschleife. Die Jungs aus Kalifornien boten wieder einmal eine energiegeladene Power-Show. Ich würde mir wünschen, daß sie in unseren Breiten noch deutlich mehr Aufmerksamkeit erlangen. Verdient hätten sie es. Das aktuelle Album »Wrath and Ruin« ist in meinen Augen ein Wahnsinnsteil.

    In einer kurzen Umbaupause gab es Gelegenheit, die astronomischen Bierpreise zu begutachten. Mit deutlich über 4 Euro plus Pfand war das Palmbräu Pils im 0,33l-Becher wahrlich kein Schnapper. Insbesondere ab der zweiten Umbaupause war es ohnehin aufgrund langer Schlangen kaum noch möglich, rechtzeitig nachzutanken. So sah ich Rotting Christ nur von relativ weit hinten.

    Der Saal ist lang gezogen mit der Technik in der Mitte und einer relativ niedrigen Bühne. Keine optimalen Voraussetzungen bei voller Hütte. Doch auch von weiter hinten konnte ich die atmosphärische Show der Griechen um Sakis Tolis noch gut miterleben. Rotting Christ, 1987 in Athen gegründet, gelten mittlerweile als eine der führenden Vertreter nicht nur des griechischen Black Metal. Einflüsse aus Folk und Gothic und ein düsteres »gotteslästerliches« Setting bestimmen ihre Auftritte. Der Bandname führte in der Vergangenheit unter anderem in Südafrika oder in den USA zu Protesten. In Heidelberg allerdings konnten sie ihr mitreißendes Programm unbehelligt abspielen. Das neue Live-Album »35 Years Of Evil Existence«, 2024 im Athener Lycabettus-Theater aufgezeichnet, ist unglaublich stimmungsvoll und überdies grafisch sehr schön gestaltet. Ich kaufe selten Live-Alben, schon gar nicht von Konzerten, wo ich nicht anwesend war. Dieses Album ist eine deutliche Ausnahme. Die Jungs einmal in ihrer Heimat live zu erleben, wäre phantastisch.

    Warbringer
    Rotting Christ

    Den Abschluß machten ab 21 Uhr, wie sollte es anders sein, die Urgesteine aus Essen. Angekündigt war im Vorfeld eine »Deep Cut Setlist«, also eine Titelabfolge, die normalerweise so nicht auf dem Programm steht. Und so gab es eine Reise in frühere Jahre mit Songs wie »Violent Revolution«, »Coma Of Souls«. »Flag Of Hate«, »People Of the Lie« oder »Phobia«. Mille erklärte gleich zu Anfang: »Wir machen eine Reise zurück in die Achtziger. Und in den Achtzigern war Crowdsurfing total in. Ich möchte heute Abend so viele Crowdsurfer sehen, wie es geht«. Dieser Aufforderung ließ man sich dann auch keine Zeit, zu folgen. Bereits Warbringer hatten nach dem zweiten Song den ersten Circle Pit und die Ausrast-Wütigkeit des Publikums erreichte nun ihren Gipfel. Die Riffs schnitten durch die schweißgetränkte Luft der halle02, wie die Wall Of Death und die Feuer-Effekte auf der Bühne. Die Jungs hatten sichtlich Spaß an diesem Abend. Respekt, wenn man daran denkt, daß diese drei Konzerte in Club-Atmosphäre nachträglich in die volle Festival-Agenda gequetscht worden waren.

    Um kurz nach 21 Uhr war es dann soweit.
    Kreator

    Was bleibt zu sagen? Ach ja: Die Merch-Preise waren verständig. Vierzig Euro für das Kreator Tour-Shirt waren akzeptabel. Patches im 3er-Set für 20 Euro. Caps und Bomberjacken sowie natürlich Tonträger. Bei Warbringer war man mit 30 Euro für ein Shirt dabei und Rotting Christ ebenfalls. Mit einem »Rotting Christ«-Jutebeutel dürfte man vermutlich beim Einkauf gut gerüstet sein. Was ich etwas schade finde als Nicht-Kuttenträger ist die Tatsache, daß Aufkleber wohl völlig aus der Mode gekommen zu sein scheinen. Preislich dürfte der kommende Samstag bei Iron Maiden Merch in Stuttgart wohl deutlich heftiger aussehen. Das Thema vertretbare T-Shirt-Preise wird nicht umsonst heftig diskutiert.

    Kreator Merch

    Alles in allem ein denkwürdiger Abend. Die nächsten Kracher sind im August geplant mit dem Besuch der Deutschlandpremiere des Dokumentarfilms »Hate & Hope« in der Essener Lichtburg sowie tags drauf Kreator, Destruction und Tankard gemeinsam auf dem Gießener Kultursommer. Dieser Sonntagabend hat unfaßbar Bock auf mehr gemacht.

    (Fotos und Text: chrkuehne)